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Hohlbein.net - News - Himmelsscheibe

März 2005
"Die Tochter der Himmelsscheibe"
Interview


Wolfgang Hohlbein im Gespräch zu seinem neuen Bestseller "Die Tochter der Himmelsscheibe", erschienen im Piper Verlag März 2005

hohlbein.net: In "Die Tochter der Himmelsscheibe" schildern sie das Schicksal von Arri, einem jungen Mädchen, das zwischen die Fronten machtlüsterner Schamanen und barbarischer Krieger zu geraten droht. Warum siedeln Sie als Fantasyautor einen solchen Roman in der frühen Bronzezeit an?

Wolfgang Hohlbein: Weil die Zeit, in der die Griechen Troja belagerten, eine der spannendsten Epochen der Menschheitsgeschichte ist. Darüber hinaus birgt sie fantastischere Elemente als so mancher lupenreine Fantasyroman. Dass das auch für die mitteleuropäische Vorgeschichte gilt, haben erst in den letzten Jahren spektakuläre Funde und Ausgrabungen belegt - für mich ein besonderer Anreiz, mich dieses Themas anzunehmen.

hohlbein.net: Und warum lassen Sie einen Roman vor fast 4000 Jahren ausgerechnet in Mitteldeutschland spielen, und eben nicht in Troja oder etwa im alten Ägypten?

Wolfgang Hohlbein: Es ist vielleicht kein Zufall, dass die meisten deutschsprachigen Märchen und Mythen, die wir kennen, ihren Ursprung in der Mittelgebirgs- und Flusslandschaft hatten, die von Harz, Erzgebirge und Thüringer Wald eingerahmt wird. Es gab dort schon vor Jahrtausenden eine blühende Kultur, die in vielen Punkten keinen Vergleich mit den griechischen und ägyptischen Hochkulturen scheuen musste. Und das wir so wenig über sie wissen, machte für mich die Beschäftigung mit diesem Ort und dieser Zeit besonders spannend.

hohlbein.net: Diese blühende Kultur, wie Sie sie nennen, hat aber weder eine Schriftsprache noch Monumentalbauten oder riesige Städte hervorgebracht. Was also macht ihren Reiz aus?

Wolfgang Hohlbein: Der Reiz besteht in dem, was in den Köpfen der Menschen vorgegangen ist, und sich in den teilweise spektakulären Funden wie der "Nebra Himmelsscheibe" widerspiegelt, die gar nicht weit entfernt von dem siebentausend Jahre alten Heiligtum Goseck gefunden wurde - übrigens ein Bauwerk, das dem der Megalithanlage in Stonehenge in keiner Weise nachsteht.

hohlbein.net: In Ihrem Roman ist von Nebra keine Rede, und "Goseck" schreibt sich dort "Goseg". Warum haben Sie keinen direkten Bezug auf die Himmelscheibe genommen und Schreibweisen verfremdet?

Wolfgang Hohlbein: Vielleicht deshalb, weil ich letztlich doch ein Autor fantastischer Stoffe bin. Mein Roman ist übrigens deutlich vor der Zeit angesiedelt, in der die Himmelsscheibe gefertigt wurde; wenn man so will, schildert er ein Stück weit die nicht ganz undramatische Vorgeschichte. Aber mehr möchte ich dazu nicht verraten, denn dann wäre ich schon mitten drin in dem, was Arri auf über 900 Buchseiten widerfährt.

hohlbein.net: Vielen Dank für das Gespräch.

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